Franziskas Blog – „Daumenkultur“ und iPhone-Hype


„Schnuller für Erwachsene“

Posted in Nicht kategorisiert von eleanor500 - März 12, 2008

Das Mobiltelefon dient ja dazu, immer und überall erreichbar zu sein, ob Fluch oder Segen sei dahingestellt, das wiederum ist ja auch sehr abhängig von Zeit und Ort. Aber was bedeutet dieses ständige Erreichbarsein für uns? Das Mobiltelefon wird zum „Schnuller für Erwachsene“ (Geser, 2004, S. 12). Und zwar deshalb, weil wir das Bedürfnis haben, traumatische oder sonst einschneidende Erfahrungen in fremder Umgebung dadurch zu mildern, indem wir in ständigem Kontakt bleiben zu den Lieben daheim – oder wo immer sie gerade sind. Das Mobiltelefon verbindet, gibt eine gewisse Sicherheit, man ist nie ganz alleine.

Hinter diesen Aussagen steckt sehr viel Bedeutung. Das Mobiltelefon vermittelt eine Sicherheit, da man immer sofort mit jemandem verbunden ist, der einem in der Not zu Hilfe kommt. An dem ist nichts auszusetzen, doch wohin entwickelt sich unsere Sozialkompetenz? Werden wir auch in Zukunft noch fähig sein, auf unvorhergesehene Begebenheiten flexibel zu reagieren? Durch das Mobiltelefon errichten wir uns einen Rettungsweg, einen virtuellen Fluchtweg. Auch Frauen, die nachts alleine unterwegs sind, nehmen gerne ihr Mobiltelefon zur Hand um zu signalisieren Ich bin nicht alleine. Es ist jemand da, der auf mich wartet, der mir im Notfall zu Hilfe kommt. Das ist bestimmt nicht falsch, im Gegenteil. Wahrscheinlich wird es erst prekär, wenn man eines Tages das Mobiltelefon vergisst. Man ist plötzlich auf sich alleine gestellt, kann sich nicht hinter einem kleinen Gerät verstecken und sich keine Hilfe von bekannten Menschen erhoffen. Sind wir also abhängig von unseren Mobiltelefonen? Ist das nicht ein Rückschritt in der Evolutionsgeschichte (siehe auch: Beaton/Wajcman: The Impact of the Mobile Telephone in Australia, 2004)?

Das Thema Daumenkultur scheint sich rund um mich zu manifestieren und jeder Artikel, den ich dazu lese, scheint wieder neue Fragen und Sichtweisen aufzuwerfen und darzustellen. Die gesamte Wahrnehmung ist sensibilisiert auf alles, was damit zusammenhängt: der Sitznachbar im Zug (der schreibt ja total schnell seine SMS), Zeitungsartikel, Zeitschriften, Benutzer in der Bibliothek, die ständig mit dem Mobiltelefon telefonieren, … Aber es offenbaren sich mit der Zeit auch immer mehr Zusammenhänge. Und das Meiste ist nicht neu und nicht überraschend, ich habe bloss noch nie so darüber nachgedacht.

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Eine Antwort to '„Schnuller für Erwachsene“'

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  1. […] es also eine trügerische Sicherheit, die durch solche Programme vermittelt wird? Naja, die Testphase für das Projekt läuft ja noch. […]


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