Franziskas Blog – „Daumenkultur“ und iPhone-Hype


Happy Slapping: eine neue Form der Gewaltdarstellung

Posted in Gewaltdarstellung von eleanor500 - April 21, 2008
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Das Mobiltelefon dient ganz unterschiedlichen Zwecken. Mehrfach erwähnt wurde die Möglichkeit der Selbstdarstellung, die verschiedenen Möglichkeiten der Kommunikation, Mobilität und Flexibilität. Leider wird das Gerät auch ganz gezielt dazu genutzt, Gewalt in neuen Formen darzustellen.

Gemeint ist hier das Phänomen „Happy Slapping„, auf Deutsch soviel wie „Fröhliches Schlagen“, wobei das „Happy“ den Gemütszustand des Täters (von Täterinnen ist bislang kaum die Rede) bezeichnet. Es ist eine neue Form der Gewalt (-darstellung), die direkt mit dem Handy verbunden ist. Es bezeichnet den Vorgang, bei dem jemand zusammengeschlagen wird, das Ganze wird von den Tätern mit einem Video-Handy aufgezeichnet und über Handy oder Internet weiterverbreitet (Durrer, 2006).

Die Gewalt an sich ist nicht neu, die neuen technischen Möglichkeiten verursachen nicht unbedingt ein neues Verhalten (Sterzik, 2006), aber die Gewalt wird auf eine neue Art sichtbar gemacht: sie filmen, wie sie sich prügeln und sie prügeln sich, um es zu filmen. Mobiltelefone sind heute ein integraler Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen. Dadurch eröffnet sich ein immenser Distributionskanal für solche Handy-Filme. Der Gebrauch des Mobiltelefons in diesem Zusammenhang beginnt aber schon viel eher, nämlich schon damit, dass man sich über das Mobiltelefon zu Schlägereien verabredet.

Die gesamte Thematik ist vorallem unter Jugendlichen aktuell und vorallem an Schulen ein Problem. Durch das Phänomen „Happy Slapping“ erhält die Gewalt eine neue Dimension, Hemmschwellen sinken, das Aggressionspotenzial vieler Schüler steigt. Das Problem wird aber immer mehr publik gemacht (Beispiel Kanton Aargau, eine Schule in Deutschland, Organisationen wie Crimestoppers), um vorallem Eltern und Lehrpersonen darauf aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Auch Handyverbote an Schulen sind ein – wenn auch (wegen mangelnder Kontrolle) nicht sehr erfolgreicher – Versuch, der Verbreitung und Popularität der Gewaltvideos Einhalt zu gebieten.

Und schlussendlich ist auch zu beachten, dass solche Verfilmungen erst dadurch an Popularität gewinnen, wenn sie angeschaut werden. Es gibt jene, die ganz bewusst „echte“, „pure“ Gewalt sehen wollen, die sich am Leiden anderer erfreuen, Prügeleien auf dem Schulhof gelten als Machtdarstellung. Der grosse Teil der Zuschauer sind sich der wirklichen Brutalität gar nicht bewusst, man schaut sich die Filme an, weil es alle so machen, „es ist doch nur Spass“…

 

 

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Warum mein Handy mich schützt

Posted in Mobiltelefonie von eleanor500 - Februar 28, 2008
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„If you are without a mobile phone it means that no one depends on you for urgent direction, and no one needs to get in touch with you at any times. It means you are not cutting deals, giving orders; in short, not getting around all that much“  (Bautsch et al., 2001).

Das Mobiltelefon ist heute viel mehr als bloss ein Gerät zum verbalen Austausch. Durch das Vorhandensein und durch die vielen Möglichkeiten die es bietet, wird es zu einem viel diskutierten Gerät mit einem viel diskutierten Einfluss auf Personen und Personengruppen.

Das Mobiltelefon verändert unser Verhalten in vielerlei Hinsichten. Zum Aspekt der Kommunikation sagt beispielsweise Hans Geser (S. 27 ff, 2006), dass man viel geschützter kommunizieren kann. Man ruft nicht mehr einen Ort an (wie bei einem Festnetztelefon), sondern eine Person, auch unabhängig der sozialen Rolle und unabhängig von Standorten und Zeiten. Die ortsgebundene Kommunikation wird also abgelöst von der personengebunden Kommunikation.

Das garantiert gleichzeitig auch einen gewissen Schutz. Man weiss genau, wer am anderen Ende der Leitung das Gespräch entgegennimmt. Man zieht sich zurück aus einem weiten, öffentlichen Umfeld in einen engen, vertrauten Bereich. Nur Personen, dnen man die persönliche Mobiltelefonnummer mitgeteilt hat, können einen erreichen. Die Nummern stehen nicht in einem öffentlichen Telefonbuch. Doch durch diese Tendenz der Abschottung zieht man sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück, man beginnt, mit dem Mobiltelefon als einfacher Ausweg, öffentliche Begegnungen zu meiden. Doch wie entwickelt sich dadurch unsere Sozialkompetenz? Unter diesen Umständen wird auf das – doch auch ein wenig Statussymbol – Mobiltelefon bereits ein negatives Licht geworfen.

Warum wir überhaupt ein Mobiltelefon kaufen, wie wir es personalisieren und warum man auch schon den Begriff „Schnuller für Erwachsene“ synonym für Mobiltelefon gebraucht dann im nächsten Beitrag.   

Bautsch, Holly et al. (2001): An Investigation of Mobile Phone Use: a socio-technical approach. Department of Industrial Engineering, University of Wisconsin – Madison.

Geser, Hans (2006): Untergräbt das Handy die soziale Ordnung? Die Mobiltelefonie aus soziologischer Sicht. In: Glotz, Peter; Bertschi, Stefan; Locke, Chris (2006): Daumenkultur – das Mobiltelefon in der Gesellschaft. Bielefeld: Transcript Verlag.